Historie
Standort der FAW gGmbH - Gewerbegebiet Pintsch
Als Julius Pintsch 1872 in Fürstenwalde eine Dependance seiner schon sehr bekannten Berliner Fabrik gründete, ahnte wohl kaum jemand, welche regionale, nationale und auch internationale Wirkung diese Gründung auslösen wird. Das bezieht sich sowohl auf die neuen technischen Entwicklungen, auf die weltweiten Einsatzorte der Erzeugnisse und Anlagen wie auch auf das Wachsen der Infra- und Sozialstruktur in Fürstenwalde und Umgebung.
Tausende Mitarbeiter gingen jeden Tag durch die Werktore und wieder nach Hause, teillweise in entfernte Städte und Dörfer. Ihre persönlichen Schicksale waren über 100 Jahre eng mit der Firma und ihrem Arbeitsort verbunden. Dies geschah früher bei Pintsch, nach dem 2. Weltkrieg bei Gaselan CTA und heute, gehen wieder über 1500 Menschen jeden Tag an die alten Stätten, in Firmen, die sich nach 1990 ansiedelten oder aus dem Chemie- und Tankanlagenbau entstanden. So auch das Fürstenwalder Aus- und Weiterbildungszentrum (FAW), dass aus der Betriebsberufsschule des Chemie- und Tankanlagenbau hervorgegangen ist.
Mit der Gründung der Julius-Pintsch-Niederlassung 1872 wurde in unsere Stadt eine neue Epoche eingeleitet, die alle bisherigen gewerblichen Aktivitäten in der Region in den Hintergrund gestellt hat. Der Name Fürstenwalde steht auf Leuchtfeuern von Patagonien bis Dänemark. Unzählige sind davon noch in Betrieb, er steht auf Generatorgasanlagen in Vietnam, auf Tankanlagen in Mauretanien, auf Erdgasanlagen in Tjumen in Sibirien, und bis zur Wende hatte jeder Gaskonsument in der DDR seinen Gaszähler "Made in Fürstenwalde".
Aus den ehemaligen CTA-Gelände ist ein Gewerbe- und Industriegebiet entstanden, das mit der Stadtnähe, der Verkehrsanbindung und seiner stark verbesserten Optik allen ansässigen und zukünftigen Gewerbetreibenden einen attraktiven Standort bietet. Die genutzten Grundstücke, aber auch das noch vorhandene Flächenpotential bieten gute Voraussetzungen für unternehmerische Initiativen im Randgebiet der Hauptstadt Berlin.
Erzeugnisse und Anlagen aus Fürstenwalde/Spree von 1872 bis 1990
Auf allen Gebieten der Gastechnik, der Gaserzeugung, der Gasverteilung, der Gasdruckregelung und der Gasanwendung hat die Firma Pintsch hervorragende wissenschaftlich-technische Leistungen vollbracht und Erzeugnisse, Anlagen und Geräte entwickelt und hergestellt. Später kamen zum Ausgangsprodukt des aus Kohle gewonnenen Gases Anlagen für die Energieträger Azetylen, Erdöl, Erdgas, Flüssiggas und Biogas hinzu. Das "know-how" wurde vornehmlich im Fürstenwalder Werk in ständig modernisierten Werkhallen mit neuesten Verfahren und entsprechenden Technologien in neue Erzeugnisse und Anlagen umgesetzt. Die Fürstenwalder Erzeugnisse fanden großen Absatz in Deutschland und vielen Ländern der Welt und begründeten den Weltruf des Firmenimperiums Julius-Pintsch und den Industriestandort Fürstenwalde.
Diese Tradition wurde in den folgenden Jahrzehnten unabhängig von den unterschiedlichen gesellschaftlichen Formen des Staates und der Wirtschaft von den Facharbeitern und Ingenieuren am Standort Fürstenwalde fortgesetzt.
Nach 1989, Industrie - und Gewerbegebiet Pintsch
Während der Wende 1989/90 traten bei der Produktion, der Auftragslage und beim Absatz erhebliche Probleme und Schwierigkeiten auf. Das politische und wirtschaftliche System der DDR und der für den Betrieb bedeutende osteuropäische Markt brachen für den Fortbestand des Betriebes mit gravierenden Folgen zusammen. Zukünftige Ereignisse warfen ihre Schatten voraus.
Im Frühjahr 1990 wurde dann eine Klausurtagung in Kolpin durchgeführt. Daran nahmen die Leitung des Betriebes, einige Vertreter der Belegschaft und der Gewerkschaft teil. Es wurde das Konzept zur Entflechtung bzw. Neustrukturierung des VEB Chemie- und Tankanlagenbau Fürstenwalde erarbeitet, das als Kolpiner Modell bekannt wurde. Im August 1990 wurde dann das Gesamtkonzept, das die Entwicklung des Unternehmens, der Erzeugnisse und Anlagen, den Strukturplan, Sozialplan, den Stand der Vorbereitung zur Bildung von einzelnen Gesellschaften und das Sanierungsprogramm umfaßte, dem Präsidenten der Treuhandanstalt in Berlin zur Entscheidung vorgelegt. Nicht alle Entscheidungen, die getroffen wurden, waren, rückwärts schauend, glücklich und angemessen. Zusammenfassend kann jedoch festgestellt werden, dass die wesentlichen Produktionslinien erhalten werden konnten.
Am 27.08.1992 faßte die Stadtverordnetenversammlung den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Gewerbegebiet Pintsch" und schuf damit die Rechtsgrundlage für die öffentliche Erschließung. Bis zur Namensgebung und Widmung der ersten öffentlichen Straßen, unter anderem dem Julius-Pintsch-Ring, am 12.12.1996 floß noch viel Wasser die Spree herunter.
zuletzt geändert am: 04.12.2007

